Prinzip der kleinsten Aktion oder des kleinsten Kraftmaßes (»Loi de la moindre action«, MAUPERTUIS): Die Änderungen, die in der Natur oder in der Psyche statthaben, gehen mit der möglichst kleinen Tätigkeitsmenge, Kraftstärke vor sich, die größtmögliche Wirkung wird mit dem geringsten Aufwand an Kraft zu erzielen gesucht (Ökonomieprinzip, s. d.). Das Prinzip ist schon angedeutet bei SPINOZA, LEIBNIZ (Erdm. p. 147). VOLTAIRE erklärt: »La nature agit toujours par les voies les plus courtes« (Oeuvr. I, p. 163). MAUPERTUIS' »loi de la moindre action« besagt, es sei, wenn in der Natur eine Veränderung stattfindet, die zu dieser Veränderung angewandte Tätigkeit die möglichst kleine (Essai de cosmolog. 1750). Die Aktion nähert sich immer mehr der möglichst großen Ökonomie. Dieses Prinzip erfährt seine Weiterbildung von L. EULER, LAGRANGE (als »Prinzip der größten oder kleinsten lebendigen Kraft«, Mécan. analyt. II, sct. III, 6), JACOBI (Vorles. üb. Dynam. S. 45), W. HAMILTON, GAUSS (»Prinzip des kleinsten Zwanges«, WW. V, 25), psychologisch von R. AVENARIUS (»Prinzip des kleinsten Kraftmaßes«, s. Ökonomie), E. MACH (s. Ökonomie. vgl. dagegen P. STERN, Probl. d. Gegebenh. S. 18 ff.), DU PREL, PORTIG, LOMBROSO, FERBERO (L'inertie mentale et la loi du moindre effort, Revue philos. 1894), G. VILLA (Einl. in d. Psychol. S. 447), W. R. B. GIBSON (The principle of least action as a psychological principle, Mind 1900), H. JÄGER (Das Prinzip des kleinsten Kraftmaß. in d. Ästhet., Vierteljahrsschr. f. Philos. 5. Bd., S. 415 ff.. schon bei HEMSTERHUIS, Sur les désirs. vgl. Ästhetik), G. SIMMEL: »Prinzip des kleinsten moralischen Zwanges, d.h. die Tatsache, daß der Zwang, der unsern Willen ursprünglich durch äußere Macht beherrschte, sich allmählich in autonomen Willen verwandelt. die Widerstände, welche in uns jener Macht entgegenwirken, werden so oft gebrochen, bis sie sich überhaupt nicht mehr erheben« (Einl. in d. Moralwiss. I, 58). Vgl. JAMES, Princ. of Psychol. II, 188, 239 f. - Vgl. Ökonomie.