Pieter Breughel, der ältere

Breughel, Pieter, der ältere, zum Unterschiede von seinem Sohne gleichen Namens der Bauern-Breughel genannt, geb. um 1510 in einem Dorfe in der Nähe von Breda, gest. zu Brüssel um 1570, erlernte die Kunst bei P. Koeck van Älst; dessen Tochter er später heiratete, hielt sich dann einige Zeit bei Hieronymus Bock auf und bereiste hierauf Frankreich und Italien. Nach seiner im Jahr 1551 erfolgten Rückkehr ließ er sich erst in Antwerpen, später in Brüssel nieder. Er malte Historien- und Genrebilder, welch letztere übrigens die Mehrzahl seiner Gemälde bilden. In seinen historischen Bildern, unter denen man als Hauptwerke aufzählt: seinen Turmbau zu Babel, die Schlacht der Israeliten gegen die Philister, die Kreuzausführung Christi mit unzähligen Figuren, in der Galerie des Belvedere zu Wien (alle drei mit der Jahrszahl 1563); die Versuchung Christi, für welche Breughel seine in den Alpen gemachten Studien benützte; die Predigt des Johannes, in der Pinakothek zu München; die angeklagte Ehebrecherin (1558); die Bergpredigt, in der Dresdner Galerie; den Kindermord in einer Winterlandschaft, in der Sammlung des Landauerbrüderhauses zu Nürnberg; die Kreuztragung (1561); die Bekehrung Sauls, befolgt er die derb phantastische Richtung der älteren holländischen Schule, des Lucas von Leyden. Seine Genrebilder stellen meistens Szenen aus dem Bauernleben, zu dessen Studium er als Bauer verkleidet mit einem Freunde die umliegenden Dörfer, Kirchweihen, Kneipen u.s.w. besuchte, dar. Sie sind ebenfalls als eine Fortsetzung ähnlicher Bestrebungen der alten Holländer zu betrachten und verraten weder Intelligenz in der Komposition, noch Geist in den einzelnen Gestalten, auch wimmeln sie von gemeinen Intentionen und das ziemlich harte und bunte Kolorit trägt noch dazu bei, dass das Unzusammenhängende und Unruhige der Komposition auoh in der Gesamtwirkung wiederkehrt; doch sind sie nicht ohne mannigfache lebendige Motive und originelle energisch aufgefasste Bewegungen. Ein großes Bild dieser Art im Berliner Museum stellt den Reigentanz eines ungefügen Bauernvolks dar, ein wüstes, liederliches Bild; ein anderes ähnliches, eine Prügelei zwischen gemeinem Pilgervolk und krüppelhaften Bettlern, ebendaselbst; in der Dresdner Galerie sieht man: eine Schlägerei zwischen Bauern, welche sich beim Kartenspiel entzweit haben; in der Galerie des Belvedere zu Wien: eine Bauernkirchmesse und eine Bauernhochzeit. Man glaubt auch, dass von Breughel einige radierte Blätter grotesken Inhalts und zwei kleine Landschaften herrühren, die mit den Anfangsbuchstaben seines Namens bezeichnet sind.

 

Literatur. Ratgeber, Analen der niederl. Malerei (woselbst auch ein Verzeichnis seiner Bilder).


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