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233.

Den fremden Geschmack nicht verfehlen: sonst macht man ihm, statt eines Vergnügens, einen Verdruss. Einige erregen, indem sie eine Verbindlichkeit erzeigen wollen, Missfallen, weil sie die verschiedenen Sinnesarten nicht begreifen. Manches ist dem Einen eine Schmeichelei, dem Anderen eine Kränkung; und Manches was eine Artigkeit sein sollte, war eine Beleidigung. Oft hat es mehr gekostet, Jemandem Missvergnügen zu bereiten, als es gekostet haben würde, ihm Vergnügen zu machen: man verliert alsdann den Dank und das Geschenk, weil man den Leitstern zum fremden Wohlgefallen verloren hatte. Wer den Sinn des Anderen nicht kennt, wird ihn schwerlich befriedigen. Daher auch kam es, dass Mancher ein Lob zu äußern vermeinte und einen Tadel aussprach, zu seiner wohlverdienten Strafe. Andere wieder glauben durch ihre Beredsamkeit zu unterhalten, und martern den Geist durch ihre Geschwätzigkeit.